Was sind die häufigsten Ursachen für Kälberverluste und wie kann ich vorbeugen?

Hohe Kälberverluste stellen trotz der ständigen Weiterentwicklung und Neuerungen der Land-wirtschaft ein bestehendes Problem dar. Als Zielgröße für eine erfolgreiche Kälberaufzucht sollten weniger als fünf Prozent Kälberverluste angestrebt werden! Zahlreiche Auswertungen zeigen jedoch, dass in deutschen Kälberställen aufgrund einer durchschnittlichen Verlustrate von über zehn Prozent erhebliches Optimierungspotenzial besteht.

Zu den häufigsten Abgangsursachen zählen bakterielle und viröse Durchfall-, sowie Atemwegserkrank-ungen. Dabei entsteht der wirtschaftliche Schaden nicht allein durch die Direktverluste, sondern auch durch eine verzögerte Entwicklung und erhöhten Anfälligkeit der überlebenden Tiere. Wer Kälberverluste dauerhaft minimieren möchte, sollte das Augenmerk weg von akuten Behandlungen und hin zu möglichen Präventiv-maßnahmen lenken. Ein konsequentes Hygienemanagement kann die Kälberaufzucht dauerhaft optimieren!

Eine erfolgreiche Kälberaufzucht beginnt bereits mit einer sauberen und frisch eingestreuten Abkalbebucht. Nach der Geburt werden die Kälber einzeln in gereinigten und desinfizierten Iglus oder Kälberhütten untergebracht. Anschließend sollten die Kälber in Gruppen bei Einhaltung regelmäßiger Entmistungs-intervalle gehalten werden, um den Erregerdruck möglichst gering zu halten. Zudem sollte ein Rein-Raus-Prinzip angestrebt werden, so dass ein Verschleppen der Erreger zwischen den Gruppen unterbunden wird. Besonders in Bezug auf die Atemwegserkrankungen ist auf ein gutes Stallklima zu achten. Zugluft sollte in jedem Fall vermieden werden, gleichzeitig sollte aber die Luftrate ausreichen, um Schadgase aus dem Tierbereich abzuführen.

Die mit Abstand wichtigste Maßnahme gegen Kälberverluste ist jedoch eine frühzeitige und ausreichende Kolostrumgabe. Da Kälber ohne eigene Abwehrstoffe geboren werden ist Kolostrum mit den enthaltenen Immunglobulinen die beste „Lebensversicherung", die dem Kalb innerhalb der erster drei Stunden gegeben werden muss.