Lassen sich separierte Biogas-Gärreste als Einstreu nutzen?

Gärreste sind Endprodukte der Biogas Erzeugung, die während des Gärprozesses, u.a. von der Verweildauer und der Temperatur, abhängig sind.

Im Verlauf des anaeroben Gärprozesses wird organische Trockenmasse abgebaut, folglich liegt der Trockenmassegehalt des vergärten Materials deutlich unter dem des Eingangsmaterials. Gärreste haben in der Praxis einen TS-Gehalt von 4-6% und müssen für die Nutzung als Einstreu separiert werden. Das Separieren hat den Zweck, die flüssige von der festen Phase zu trennen und kann unter Ausnutzung der Restwärme des BHKW´s der Biogasanlage erfolgen. Diese feste Phase hat in Abhängigkeit des genutzten Separators einen TS-Gehalt von ca. 30% und wird auf einen TS-Gehalt von ca. 85% getrocknet.

Grundsätzlich könnte man Gärreste als Einstreu in Tieflaufställen und den Liegeboxen der Laufställe verwenden. Für einen viehhaltenden Biogasanlagenbetreiber könnte dies auch einige Vorteile mit sich bringen: Der Biogasbetreiber könnte prüfen, ob sich der KWK (Kraft-Wärme-Kopplung) Bonus nutzen lässt. Die separierten Gärreste, die als Einstreu genutzt wurden, eignen sich auch wieder gut für die Fütterung der Biogasanlagen. Der Biogasbetreiber könnte von dem dadurch höheren Gärreste-Lager-Volumen profitieren.

Die Verwendung der separierten Gärreste als Einstreu kann allerdings auch zu hygienischen Problemen führen: Besonders bei der Nutzung als Einstreu für die Liegeboxen sollte sichergestellt werden, dass keine Krankheiten eingeschleppt werden. Es ist nicht immer gewährleistet, dass die Gärreste in einem hygienisch einwandfreien Zustand sind. Es besteht die Gefahr, den Keimdruck zu erhöhen. Laut einer Untersuchung der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein lag bei allen Substratresten die Gesamtkeimzahl oberhalb der Grenzwerte für eine gute Boxeneinstreu. Ob die hygienischen Voraussetzungen der Einstreu sich durch einen längeren Trocknungsvorgang oder eine höhere Trocknungstemperatur verbessern lassen unterliegt weiteren Forschungen und Untersuchungen. Es sollte immer einwandfreies Material als Einstreu genutzt werden, um den Infektionsdruck im Stall nicht zu fördern. Eine uneingeschränkte Nutzung der Gärreste als Einstreu ist zurzeit nicht zu empfehlen.