Pilotprojekt Fresseraufzucht - Senkrechtstart oder Notlandung?

Die Fresseraufzucht ist in Österreich ein bisher nicht weit verbreiteter Betriebszweig. Wir haben einige landwirtschaftliche Betriebe besucht, die ihren Betrieb aktuell umstrukturieren und von Mutterkuh- bzw. Milchviehhaltung auf die Fresseraufzucht umstellen.

Betrieb Hueter 
Ort: Berg im Drautal (auf 690m Höhe)

Philipp Hueter betreibt seine Landwirtschaft im Nebenerwerb, hauptberuflich ist er Forstwirt. Er bewirtschaftet 24ha Nutzfläche, davon 12ha Acker mit Mais, Getreide und Wechselwiesen und 12ha Wiesen. Zusätzlich hat er Almanteile an einer 180ha großen Gemeinschaftsalm auf 1600m Höhe, auf der insgesamt 30 Kühe den Sommer verbringen.
Bis 1996 war der Betrieb Hueter ein Milchviehbetrieb, danach wurde auf Ochsenmast (Haltung auf der Alm) und 2008 auf Mutterkuhhaltung umgestellt. Seit 2012 hat Philipp Hueter die ersten Aubrac Rinder in seinem Besitz. Nach und nach möchte er seine gesamte Mutterkuhhaltung von Fleckvieh auf Aubrac umstellen. „ Die sind einfach genügsamer und haben eine bessere Futterverwertung als das Fleckvieh“, erklärt er. Um das ganze Jahr über Umsätze generieren zu können, plant er gleichzeitig den Einstieg in die Fresseraufzucht. Für diesen Zweck baut er zurzeit einen Offenfrontstall mit 80 Fresserplätzen. Seine Fleckviehkälber bezieht er über die BVG – Bäuerliche Vermarktungsgesellschaft, die anschließend auch die fertigen Fresser abnehmen. 

 

Betrieb Obereder
Ort: Greifenburg (auf 640m Höhe)

Josef Obereder betreibt seine Landwirtschaft gemeinsam mit seiner Frau im Vollerwerb. Der Betrieb verfügt über 45ha landwirtschaftliche Nutzfläche, davon 20ha Mais, 10ha Getreide und 15ha Grünfläche. Seitdem der Betrieb die Milchvieh- und Mutterkuhhaltung aufgegeben hat, konzentriert er sich ganz auf die Stier- und Ochsenmast. „Wir nehmen an einem speziellen Ochsenmast Programm teil, bei dem die Ochsen bis max. 30 Monate gemästet werden. Unsere Ochsen sind bisher ausschließlich Kreuzungen mit Fleischrassen“, erklärt Josef Obereder. Seine Bullenmast ist ebenfalls Teil eines Gütesiegel-Programms. Die Tiere sind maximal 19 Monate alt und haben ein Schlachtgewicht zwischen 328 und 436 kg. Ochsen und Bullen werden über die BVG vermarktet. „Wir möchten nun im kommenden Jahr in die Fresseraufzucht einsteigen. Dazu bauen wir unseren Milchkuhstall zu einem Fresserstall mit 60 Plätzen um. Einen Teil der Fresser werde ich vermarkten, der andere Teil bleibt für meine Bullenmast“, bemerkt Josef Obereder.

Betrieb Pirker
Ort: Dellach (1.000m Höhe)

Manfred Pirker ist Landwirt im Vollerwerb, nebenbei vermietet er in seiner ehemaligen Gaststätte Ferienwohnungen und Fremdenzimmer. Sein Betrieb umfasst 25 ha landwirtschaftliche Nutzfläche, davon 7ha Acker (Mais und Wechselwiese). „Durch den Verlust der Mutterkuhprämie strukturiere ich meinen Betrieb langsam um. Zurzeit habe ich noch insgesamt 25 Kühe, davon zehn Aubrac Rinder, zehn weibliche Nachzucht und die restlichen sind Fleckviehtiere“. Diese Tiere behält Manfred Pirker zur Beweidung der Alm und seiner Grünflächen. „Ich stelle nach und nach von Fleckvieh auf Aubrac um, denn diese Rasse bringt die optimalen Eigenschaften für die robuste Freilandhaltung mit“, erklärt er. „Das Aubrac Rind ist erstaunlich genügsam. Selbst ohne Kraftfutter entwickelt es sich prächtig und steht den anderen Masttieren, wie anfangs befürchtet, in nichts nach“, fügt er hinzu und blickt stolz auf seine Tiere. Zusätzlich zu seinen Kühen hat er drei Aubrac Zuchtstiere für den Verkauf, einen Stier für die Alm sowie einen Jungstier der mit vier Kühen und den Kälbern die Grünwiesen beweidet. Außerdem hat er jährlich etwa 50 Fresser, plant jedoch in Zukunft seinen Schwerpunkt vermehrt darauf zu legen und die Fresseraufzucht auf drei Durchgänge pro Jahr (100- 150 Fresser) auszubauen.

Betrieb Fradler
Ort: Maria Saal (500m Höhe)

Josef Fradler hat seine Landwirtschaft mit 10 Milchkühen bis zum Jahr 2000 im Nebenerwerb betrieben. Anschließend verkaufte er seine Milchkühe und übernahm eine Mutterkuhhaltung mit 45 Kühen (Fleckvieh und Kreuzungen). Im Jahr 2015 hat er sich von der Mutterkuhhaltung getrennt und ist in die Bullenmast eingestiegen, die er bis heute betreibt. Seine Mast ist mit dem AMA Gütesiegel Stier für Qualitätskreuzungsstiere und Ochsen ausgezeichnet. Zurzeit hat er 160 Tiere, davon 120 Bullen und 40 Ochsen. Die Tiere werden, bedingt durch das Gütesiegel, in Tretmistställen auf Stroh gehalten. Sie sind bei der Schlachtung zwischen 16 ½ - 18 ½ Monaten alt und haben ein durchschnittliches Mastendgewicht von 425 kg. „Für die kommenden Jahre plane ich auf 200 Mastplätze aufzustocken. Außerdem wollen wir die Bullen bereits als Milchkälber kaufen und die Aufzucht komplett übernehmen. Bisher haben wir immer die fertigen Fresser gekauft“, erklärt Josef Fradler.