Fritz Giesmann nimmt seine Zucht selbst in die Hand

"Da weiß man, was man hat!"  

Fritz Giesmann, Milchvieherzeuger aus Westerstede, weiß ganz genau, welches genetische Potential in seiner Herde steckt. Seitdem in Deutschland 2014 die DNA Tests für weibliche Holsteinkühe freigegeben wurde, typisiert der Landwirt jedes seiner Kälber.

Mit Hilfe einer Ohrstanzpistole werden DNA Proben entnommen und von einem zuständigen Labor ausgewertet. Das genetische Potential seiner Herde hat sich seitdem enorm verbessert. Alle weiblichen Jungtiere bringen es im Schnitt auf einen gRZG von 137. Seine aktuellen Zuchterfolge sind eine GGA Jolene-Tochter v. Superhero, die mit 167 gRZG einen der höchsten Zuchtwerte deutscher Holsteins hat sowie eine Gymnast-Tochter mit 164 gRZG und eine Mr Puma-Tochter aus der GGA T-Linie mit 159 gRZG. Mit Hilfe der genomischen Zuchtwerte, selektiert Giesmann die Tiere heraus, die für seinen Betrieb die besten Voraussetzungen bieten. „Die Tiere müssen in unsere betrieblichen Beschaffenheiten passen“, erklärt er. „Ich möchte nicht nur die besten Tiere heraussuchen, sondern die Tiere selektieren, die für unseren Betrieb nicht in Frage kommen.“ Fritz Giesmann legt bei den weiblichen Tieren besonderen Wert auf die Melkbarkeit und die Eutergesundheit. Für den Deckbullenverkauf sind Vererbungsschwerpunkte wie der Kalbeverlauf
besonders wichtig. Färsen, die für die eigene Remontierung nicht benötigt werden, werden direkt vermarktet. Auf Grund des hohen Zuchtniveaus, sind Giesmanns Tiere sehr gefragt.


Nichts wird dem Zufall überlassen

Fritz Giesmann verlässt sich nicht allein auf das genetische Potential. Seine Kälber werden direkt nach der Geburt mit Kolostrum versorgt. Dafür nutzt der Landwirt eine Mini-Melkanlage. Wenn die Kuh nicht genügend Kolostrum hat, wird auf einen tiefgefrorenen Vorrat zurückgegriffen. Die Kälber bekommen bei ihrer ersten Mahlzeit mindestens 3 Liter Kolostrum, manche trinken sogar bis zu 4,5 Liter. „Kälber, die im Stehen getränkt werden, nehmen in der Regel mindestens 1 Liter mehr Biestmilch auf, als Kälber, die im Liegen trinken“, erklärt Giesmann.

Die Kälber lässt er in der Regel von der Mutterkuh trockenlecken. In Ausnahmefällen bringt er eine Wärmelampe in der Einzelbox an.

Den Vorsprung ausbauen

Die Kälber werden 30 Tage in Einzeliglus gehalten. Während dieser Zeit werden sie mit Vollmilch getränkt. Giesmann hat sich für die semi ad libitum Fütterung entschieden. Das heißt, die Kälber bekommen zwei Mal täglich frische Milch zur freien Aufnahme angeboten. Die täglichen Tränkemengen stellen sich wie folgt dar:

1. Woche: 8 Liter           
2. Woche: 9 Liter
3. Woche: 11 Liter 
4. Woche: 12 Liter

Nach einem Monat werden die Kälber in Gruppeniglus umgestallt. Dort werden Sie mit Sprayfo Royal, einem hochwertigen 
Milchaustauscher auf Basis von Magermilchpulver, über den Automaten gefüttert. Vom 31. bis zum 40. Tag erhalten die Kälber 10 Liter pro Tag. Ab dem 41. Tag werden sie langsam abgefüttert, bis sie am 65. Tag vollständig von der Milch abgesetzt sind. Die Kälber erhalten bis zum Absetzen zusätzlich eine Mischung aus hochwertigem Kälberkorn und feingehäckseltem Stroh. Zum Ende der Milchphase wird außerdem eine Kuh-TMR zugefüttert. Die abgesetzten Kälber bekommen schließlich die Kuh-TMR und bis zu
2 kg Kälberkorn.
Fritz Giesmann holt durch die Fütterung noch einmal das Beste aus dem ohnehin schon hohen genetischen Niveau seiner Tiere heraus.