5 Mythen aus der Kälberaufzucht

Wir decken die Fakten für Sie auf!

In Zusammenarbeit mit führenden Experten auf dem Gebiet der Kälberaufzucht, decken wir einige Mythen über die Kälberfütterung auf. Es ist an der Zeit, unsere Strategie in der Kälberaufzucht noch einmal neu zu überdenken.

 

 

 

 

 

 

 

Es ist allgemein üblich geworden, Kälber  auf 2 Liter Kälbermilch/ Vollmilch pro Mahlzeit zu beschränken, damit es nicht zu einer Überlastung des Labmagens kommt und Milch in den Pansen eindringt. Diese Annahme hat jedoch wenig wissenschaftliche Grundlage.

Warum wird die Milchmenge noch immer beschränkt?

Kälber werden im Prinzip monogastrisch geboren. Das heißt, während der ersten Lebenswochen funktioniert der Verdauungstrakt genau so, wie bei einem Nicht-Wiederkäuer. Die Milch gelangt normalerweise direkt in den Labmagen, denn der Pansen steht noch in der Entwicklung und könnte die laktosereiche Milch nicht
verdauen. Gelangt nun trotzdem Milch in den Pansen, verändert diese den pH-Wert, was Verdauungsprobleme verursachen und das Wachstum verringern kann. Bisher wurde angenommen, dass die Kapazität des Labmagens bei etwa 2 Litern liegt.

Dies ist jedoch ein überholtes Denken. Studien zeigen, dass drei Wochen alte Kälber freiwillig bis zu 6,8 l warme Milch in einer Mahlzeit verzehren, ohne dass Milch in
den Pansen gelangt oder es irgendwelche Anzeichen von Bauchschmerzen oder Beschwerden gibt. Dies bestätigt, dass der Labmagen hohe Flüssigkeitsmengen
aufnehmen kann, die wesentlich größer als 2 l sind. Darüber hinaus sind Kälber in der Lage, die Entleerung des Labmagens zu verlangsamen, um ihren Blutzucker zu
kontrollieren. So kommt es auch bei größeren Mahlzeiten nicht zu einem erhöhten Blutzuckerspiegel.

Es ist Zeit, die Kälberfütterung zu überdenken

Die traditionellen Ansichten, die Tränkemenge auf 2 Liter Milch pro Mahlzeit beschränken zu müssen, um das Überlaufen des Labmagens zu verhindern, sind überholt. Tatsächlich kann wesentlich mehr Milch pro Mahlzeit
verfüttert werden. Das LifeStart-Programm von Trouw Nutrition unterstützt diese These und zeigt die Vorteile von hohen Tränke-/Futterrationen.

 

 

 

 

 

 

 

Milchaustauscher ist teurer als Starterfutter. Daher liegt die Vermutung nahe, dass das Füttern von mehr Milch auch wesentlich höhere Kosten verursacht. Wir erklären, warum es kostengünstiger ist, die Kälber von Beginn an mit reichlich Milch zu versorgen. 

Mehr statt weniger

Die Effizienz der Futterverwertung ist in den ersten Lebenswochen des Kalbes wesentlich höher, als in späteren Phasen des Wachstumszyklus. So kostet jedes Kilo, das ein Kalb in den ersten zwei Lebensmonaten zunimmt weniger, als jedes weitere Kilo zu einem späteren Zeitpunkt. Daher ist es sinnvoll, gleich zu Beginn hohe
Wachstumsziele zu setzen. Ökonomische Analysen zeigen, dass die Fütterung im Frühstadium aufgrund des verbesserten Wachstums und den damit verbundenen Vorteilen für die Fortpflanzungs- und Laktationsleistung, längerfristig eine kosteneffizientere Kuh hervorbringt. Frühes Wachstum steigert
die Leistungsfähigkeit Die Meta-Analyse vieler Studien zeigt eine klare Beziehung zwischen Kälberwachstum und Milchproduktion. Je 100g zusätzliche Tageszunahmen können bis zu 250 kg zusätzliche Milch erwarten werden. Eine Färse, die schneller heranwächst, verbessert auch ihre Fortpflanzungsleistung. Darüber hinaus bleiben Kühe, die mehr Milch produzieren und widerstandsfähiger gegen Krankheiten sind,
länger in der Herde und reduzieren die Ausscheidungsrate. Es gibt zwei Schlüsselfaktoren, die uns davon abhalten, unsere Milchproduktion zu verbessern: Erstens der Mangel an Aufmerksamkeit für die Kälberaufzucht und zweitens die unzureichende Fütterung im frühen Kälberalter. Letzteres basiert auf dem falschen Glauben, eine frühzeitige Erhöhung der Futtermenge sei kostenaufwendiger. Wir raten dazu, nicht die Kosten bis zum Absetzen zu bewerten, sondern die Gesamtkosten für die Aufzucht einer Färse im Kontext ihrer Lebensleistung zu bewerten.

 

 

 

 

 

 

 

Alle Kühe sind unterschiedlich - einige produzieren mehr Milch, andere hingegen sind anfälliger für Krankheiten. Variationen im Stoffwechsel einer Kuh spielen eine wichtige Rolle bei ihren phänotypischen Merkmalen, aber es ist ein weit verbreiteter Irrtum, dass diese nur durch ihre genetische Veranlagung bestimmt werden. Dr. Leonel Leal, Forscher für Trouw Nutrition R & D und die Universität Wageningen, präsentierte Daten, laut denen externe Faktoren, wie die Ernährung, tiefgreifende und langfristige Auswirkungen auf den Stoffwechsel haben.

Der Stoffwechsel einer Kuh KANN programmiert werden

Externe Faktoren können das genetische Potential hervorheben, ohne die Gene zu beeinflussen. Dieser Vorgang wird als metabolische Programmierung bezeichnet. Der optimale Zeitraum, um den Stoffwechsel zu programmieren, sind die ersten zwei Lebensmonate eines Kalbes. Nur die Fütterung vor dem Absetzen hat also eine
langfristige Wirkung. Diese Annahme wird auch durch das LifeStart Programm untermauert. Die Forschung zeigt, dass ein hohes Ernährungsniveau das Wachstum
der Kälber und die Organentwicklung verbessert. Neuere Studien haben die langfristigen Einflüsse der Fütterung auf den Stoffwechsel, die Entwicklung des Immunsystems und der Darmflora gezeigt. 

Langfristige Vorteile

Kälber, die nach LifeStart Empfehlung (1,2 kg Milchaustauscher/Tag) gefüttert wurden, zeigten im Gegensatz zu Kälbern, die konventionell mit 0,6 kg Milchaustauscher/ Tag gefüttert wurden, eine Woche vor dem Absetzen völlig andere Stoffwechselprofile. Die Fütterung nach dem LifeStart Programm beeinflusste mehr als 45% aller gemessenen Werte. LifeStart-Färsen konnten darüberhinaus wesentlich früher besamt werden und dementsprechend früher abkalben. Somit hat die
intensive Kälberfütterung auch langfristige Vorteile.

 

 

 

 

 

 

 

Dass Kälber aus intensiver Fütterung ein besseres Wachstum haben, erscheint logisch. Aber wo ist die Verbindung zwischen einer frühzeitigen intensiven Fütterung und der späteren Gesundheit? 

Ernährung und Krankheit

Die Ernährung kann die Entwicklung des Magen-Darm-Trakts und die Immunität beeinflussen, die sowohl für die kurzfristige Gesundheit, als auch für die langfristige Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten entscheidend sind. Eine Studie belegt, dass im Kot von Kälbern aus einer intensiven Aufzucht weitaus weniger Kryptosporidienerreger festgestellt werden konnten, als bei Kälbern aus konventioneller Aufzucht. Darüber hinaus waren die Kälber aus intensiver Aufzucht nach dem Absetzen wesentlich resistenter gegen E-coli und Salmonellen.
Sie hatten niedrigere Entzündungsgrade und es zeigten weniger Kälber klinische Krankheitsanzeichen.

Rundum belastbar

Die Studienergebnisse legen also nahe, dass eine konservative Fütterung die Entwicklung des Kalbes und seines Magen-Darm-Traktes verzögert. Darüber hinaus neigen Kälber, die nur eingeschränkt Zugang zu Milch haben, schneller zu sogenannten Ersatzhandlungen, wie z.B. Ablecken der Gitterstäbe, gegenseitiges Besaugen etc. Dies erhöht zusätzlich das Krankheitsrisiko. Eine intensive Fütterung kann sich außerdem positiv auf die Atemwegsgesundheit auswirken. Bei einem Versuch wurden zwei Gruppen mit Holsteinkälbern entweder mit niedrigen oder hohen Milchrationen versorgt. Mit 54 Tagen wurden sie abgesetzt und am 81. Tag mit
Rinderherpesvirus, gefolgt von Mannheimia haemolytica, herausgefordert.
Vier Kälber aus der konventionellen Aufzucht starben, während keines aus der Gruppe mit hoher Milchversorgung starb. Der Versucht zeigt deutlich, dass eine reichhaltige und korrekt durchgeführte Fütterung die Entwicklung des Immunsystems und die Gesundheit der Kälber vor und nach dem Absetzen verbessert. Es ist an der Zeit, unseren Fokus von kurzfristigen Wachstumszielen auf langfristige Widerstandsfähigkeit zu verlagern.

 

 

 

 

 

 

 

Es gilt die allgem eine Annahme, dass eine intensive Kälberfütterung mit hohen Milchmengen, zu einer vermehrten Kotabsetzung und einer weichen Konsistenz des Kotes führt. Hohe Kotwerte sind jedoch nicht grundsätzlich ein Zeichen von Krankheit. Studien haben gezeigt, dass Kälber, die höhere Milchmengen erhalten, häufig einen lockeren Kot aufweisen, der in diesem Fall aber nicht bedeutet, dass das Kalb krank ist. Kälber, die mehr Milch bekommen, geben automatisch mehr Kot ab. Auch wenn der Kot weicher erscheint, als bei Kälbern mit eingeschränkter Fütterung, belegten Studien einen gleichen Gehalt an fäkaler Trockensubstanz. 

Umdenken bringt Erfolg

Die Vorteile einer intensiven Fütterung für die durchschnittlichen Tageszunahmen, die Entwicklung, die Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten und die zukünftige Laktationsleistung sind gut dokumentiert. Diese Erkenntnisse sind die Grundlage für das LifeStart-Programm, welches die Vorteile der metabolischen Programmierung nutzt, um die Leistungsfähigkeit zu verbessern. LifeStart legt den Fokus außerdem auf die Qualität und Zusammensetzung des Milchaustauschers, um sicherzustellen, dass der Nährstoffgehalt den Bedürfnissen des Kalbes entspricht. Ernährungsdurchfall
kann auftreten, wenn das Kalb mit bestimmten Nährstoffen überversorgt wird. Eine erhöhte Fäkalienmenge bei Kälbern aus intensiver Aufzucht ist in der Regel nicht besorgniserregend, während eine eingeschränkte Fütterung das gesundes Wachstum und die spätere Leistungsfähigkeit beeinträchtigen.