Schon infiziert?

Jeder Landwirt möchte vermeiden, dass seine Kälber sich in den ersten Lebenswochen mit im Betrieb vorhandenen Erregern infizieren. Die Übertragung und Verbreitung von Krankheiten wird häufig im Zusammenhang mit der Verfütterung von Vollmilch thematisiert. Nachfolgend stellen wir Ihnen daher sieben übertragbare Krankheiten vor: 

1. Paratuberkulose (Johne'sche Krankheit)

Paratuberkulose ist eine unheilbare Infektionskrankheit bei Rindern, die deutschlandweit auftritt und sich immer weiter ausbreitet. Infizierte Tiere sind schwer zu erkennen, da sie lange Zeit keine Krankheitssymptome zeigen. Diese Tatsache erschwert die Bekämpfung der Krankheit. Nur durch eine Paratuberkulose-freie Kälberaufzucht ist es möglich, die Krankheit zu kontrollieren. Kälber sind im ersten Lebensjahr sehr anfällig für eine Ansteckung. Wem es gelingt, die Kälber während dieser Zeit Paratuberkulose-frei zu halten, hat im Kampf gegen die schwerwiegende Erkrankung schon viel gewonnen.

Paratuberkulose wird durch Mykobakterien ausgelöst. Eine besondere Eigenschaft dieser Bakterien ist eine lange Inkubationszeit. Diese variiert von 1 bis zu 10 Jahren. Die Bakterien nisten sich in der Darmwand ein und verursachen eine sehr langsam verlaufende Darmentzündung. Die Bakterien gelangen von dort über die Blutbahn u.a. ins Euter. Kot und Milch bilden somit die wichtigsten Ansteckungsquellen. Das ungeborene Kalb kann jedoch bereits in der Gebärmutter infiziert werden.

Da die Bakterien von einer festen Wachsschicht umgeben sind, können sie sehr lange (> 1 Jahr) in der Umwelt überleben. Unter dem Einfluss von UV-Strahlen sterben sie schneller ab.

Kälber können sich durch Aufnahme von Kot oder erregerhaltiger Biestmilch/Milch infizieren. Infizierte Kühe scheiden ab einem Alter von ca. zwei Jahren Mykobakterien aus. Da erkrankte Tiere häufig symptomlos sind, kann im Prinzip jedes Rind, das älter als zwei Jahre ist, die Krankheit übertragen. Um das Risiko der Verbreitung so klein wie möglich zu halten, ist es ratsam, diese Tiere als verdächtig zu behandeln. Eine strikte Trennung zwischen Kälbern bis zu einem Jahr und Tieren von zwei Jahren und älter ist eine wichtige Maßnahme um die Verbreitung zu verhindern.

Erste Symptome treten bei infizierten Tieren meist im Alter von drei bis sechs Jahren auf. Durch die chronische Darmentzündung nehmen die Tiere nicht mehr genügend Nährstoffe auf. Daraus folgen zunächst eine verminderte Milchleistung um 10 bis 20 %, abmagern trotz guter Futteraufnahme und niedriges Geburtsgewicht der Kälber, gefolgt von anhaltendem Durchfall und einem völligen Erliegen der Milchleistung.

Paratuberkulose bedeutet für betroffene Betriebe einen hohen wirtschaftlichen Schaden, der sich aus Tierverlusten, verminderter Milchleistung, höherer Krankheitsanfälligkeit betroffener Tiere mit hohen Tierarztkosten sowie verminderter Schlachterlöse zusammensetzt.

Da infizierte Tiere mehrere Jahre symptomlos sind, bleibt die Krankheit lange unentdeckt. Wird bei einem Tier mit ernsthaften Symptomen Paratuberkulose festgestellt, hat sich der Erreger bereits enorm im Bestand ausgebreitet. Bei ein bis zwei klinisch erkrankten Tieren, gibt es höchstwahrscheinlich vier bis acht subklinisch erkrankte und 10 bis 14 symptomlose Tiere. Insgesamt werden also 15 bis 24 Rinder infiziert sein.

Bei Anzeichen einer Infektion kann das Blut aller Tiere älter als 2,5-3 Jahren auf Antikörper gegen Paratuberkulose untersucht werden. Beim Hinweis einer Ansteckung kann durch zusätzliche Kotuntersuchung festgestellt werden, welche Tiere Erreger ausscheiden. Diese Tiere stellen die größte Gefahr für die Kälber dar und sollten baldmöglichst aus dem Bestand entfernt werden.

Folgende Schritte sind notwendig, um das Ziel einer Paratuberkulose-freien Jungtieraufzucht zu erreichen:

  • sauberer, abgetrennter Abkalbeplatz: Kalb darf nicht mit Kot in Berührung kommen. Fußboden und Wände sollten frei von Kotrückständen sein
  • Anlegen einer Biestmilchbank: Kälber sollen ausschließlich Biestmilch von Paratuberkulose-negativ getesteten Müttern erhalten
  • Nach einer Zeit der Biestmilchfütterung von 2 bis 3 Tagen ausschließlich auf Milchaustauscherprodukte umstellen

2. Salmonellose

 Auch die Salmonellose bei Rindern hat einen bakteriellen Ursprung und gehört in Deutschland zu den meldepflichtigen Tierseuchen. Seit 2007 werden jährlich bundesweit ca. 100 Fälle angezeigt. Die Salmonellose kann schwere Durchfälle (akut & chronische), Lungenentzündung, hohes Fieber sowie plötzliche Todesfälle verursachen, außerdem können die Erreger noch mehrere Wochen durch Stallmist übertragen werden. Besonders gefährdet für eine Infektion sind auch hier die neugeborenen Kälber sowie Kühe, die schon geschwächt oder stark gestresst sind. Bricht auf einem Betrieb eine bestätigte Salmonellose aus, treten Sperrmaßnahmen durch die Behörden in Kraft. Nachweisbar ist die Salmonellose über eine bakteriologische Untersuchung einer Probe oder die Krankheitssymptome am Tier.

3. BVD: Bovine Virusdiarrhoe

 Die Bovine Virusdiarrhoe (BVD) ist eine weltweit wirtschaftlich bedeutsame Infektionskrankheit, die Rinder jeden Alters betreffen kann. Seit 2005 besteht für BVD Anzeigepflicht. Der Erreger dieser Krankheit heißt Bovine-Virus-Diarrhoe und stammt aus der Familie der Pestiviren. Verbreitet wird dieses Virus primär durch Virämiker, darunter versteht man Tiere, die sich während der Trächtigkeit im Mutterleib angesteckt und die Infektion dort überlebt haben. Folglich kann das Immunsystem dieser Tiere den Virus nicht als solchen erkennen und durch Antikörper bekämpfen. Somit tragen Virämiker zeitlebens den Virus in sich und verbreiten ihn durch das Ausscheiden. Der Erreger lässt sich z.B. auch über Menschen, Geräte oder andere Tiere leicht verschleppen. Entscheidend ist der Zeitpunkt der Infektion. Infizierte Tiere können Augen-, Haut-, Haar- und Gehirnprobleme aufweisen – aber auch nur schwache Symptome wie Husten und Durchfall sind möglich. Die Bekämpfung fokussiert sich auf entsprechende Hygienemaßnahmen im Betrieb, ausmerzen der virämischen Tiere sowie die BVD-Schutzimpfung.

4. Mykoplasmose

 Mykoplasmen sind kleinste, selbständig vermehrungsfähige Bakterien ohne Zellwand. Von diesen Bakterien sind etwa 80 verschiedene Arten bekannt, die sich spezifisch an ihre Wirte binden und je nach Art unterschiedliche Krankheitsbilder beim Rind auslösen. Der Erreger kann allerdings auch im Tier existieren, ohne klinische Krankheitsanzeichen hervorzurufen. Ein weltweit vertretener Erreger ist Mycoplasma bovis, er verursacht z.B.: Ohren- sowie Gelenksentzündungen bei Kälbern und Jungrindern, Abort und Endometritis bei der Kuh sowie Mastitis bei Kühen. Wenn Mykoplasmen Euterentzündungen verursachen, ist dies oft problematisch für den Betrieb: Diese Bakterien sind unempfindlich gegenüber Antibiotika, weil sie keine Zellwand besitzen, wo Antibiotika ansetzt. Die Erreger heften sich vorrangig an die Schleimhautzellen (Bindehaut, Nasenschleimhaut, Lungengewebe usw.) und können von der Gebärmutter auf den Fötus übertragen werden. Infizierte Tiere bleiben zeitlebens Träger der Mykoplasmen, es stehen Impfstoffe zur Verfügung.

5. Mastitis

Weltweit gilt die Mastitis des Rindes als verlustreichster Krankheitskomplex und stellt häufig einen Grund für die vorzeitige Schlachtung einer Milchkuh dar. Es handelt sich um eine entzündliche Erkrankung des Euters, die oft durch Bakterien, die über den Strichkanal ins Euter gelangen, verursacht wird. Die Bakterien vermehren sich rasant, es folgt eine Entzündung und in Abhängigkeit von Art & Menge der Bakterien und des Immunsystems der Kuh entzündet sich das Euter oder ein Viertel davon.

 Man unterscheidet zwischen einer subklinischen (Symptome kaum wahrnehmbar) und perakuten (deutlich erkennbar mit Todesfolge) Mastitis. Die Krankheitserreger stellen keine unmittelbare Bedrohung für die Gesundheit des Kalbs dar, allerdings können sie in den Euterzitzen Monate- oder auch Jahrelang überleben. Deswegen kann eine Färse bereits in der ersten Laktationsphase Probleme mit Mastitis bekommen. Kälber dürfen weder das Kolostrum einer an Mastitis erkrankten Kuh, noch die Milch von mit Antibiotika behandelten Kühen, bekommen. Ansonsten können Verdauungsprobleme auftreten und die Entwicklung von Resistenzen beschleunigt werden, dies erschwert bei fortgeschrittenem Alter des Tieres die Bekämpfung von Infektionen erheblich.

6. Leukose

 Leukose gehört in Deutschland zu den meldepflichtigen Tierseuchen und wird nach der Verordnung zum Schutz gegen die Leukose der Rinder (Rinder-Leukose-Verordnung) bekämpft. Es lassen sich verschiedene Krankheitsbilder unterscheiden: Sporadische Leukose (ungeklärte Ursache, betroffene Tiere stellen keine Ansteckungsquelle für andere Tiere dar und haben keine Antikörper gegen BLV) sowie die enzootische Leukose (auch Rinderleukämie oder Bovine Leukose genannt, stellt üblicherweise eine persistente Infektion mit einem Retrovirus dar). Eine Infektion mit dem Erreger Bovine Leukämievirus (BLV) ruft nicht automatisch eine Leukose hervor, denn die Reaktion auf eine Infektion steht im Zusammenhang mit einer genetischen Disposition und kann auch von externen Faktoren (wie Stress) beeinflusst werden. Die enzootische Leukose weist ein variierendes Krankheitsbild auf, da sich in nahezu allen Organen bösartige Tumore bilden können. Tumore im Labmagen führen zu einer Verringerung der Futteraufnahme, gefolgt von Gewichtsverlust und geringer Milchproduktion. Das Virus ist durch Blut, die Plazenta während der Trächtigkeit, aber auch über Kolostrum und Vollmilch übertragbar. In Deutschland werden regelmäßig serologische Untersuchungen der Tankmilch vorgenommen.

7. Leptospirose

 Diese Infektionskrankheit tritt weltweit auf und wird durch die phylogenetisch ältesten Bakterien, die Leptospiren, verursacht. Es handelt sich um eine Zoonose, da pathogene Spezies dieses Erregers Menschen sowie Warmblütler infizieren können. Tritt diese Erkrankung beim Menschen, Schwein oder Schaf auf, so besteht in Deutschland Meldepflicht. Besonders die jüngeren Tiere können sich infizieren, wobei die Infektion häufig nur milde Symptome aufweist. Infektionsquellen können z.B. sein: Kontakt mit infizierten Tieren (z.B. auch mit dem Harn von Nagetieren), Deckakt, Besamung, kontaminierte Weide-, Futter- oder Tränkeplätze. Folglich sind Regionen mit Weidehaltung gefährdeter. Die Ausscheidung des Erregers kann mit dem Fruchtwasser, der Nachgeburt, über Vollmilch sowie Sperma erfolgen. Beim Rind äußert sich diese Krankheit erst im chronischen Stadium durch Störungen in der Reproduktion. Ökonomisch große Schäden werden durch die vermehrt auftretenden Aborte, Fruchtbarkeitsstörungen und Geburten lebensschwacher Kälber verursacht. 

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