Spielverderber: Kryptosporidien

 

In den letzten Jahren wird immer häufiger von Durchfällen bei Kälbern, ausgelöst durch Kryptosporidien, berichtet. Kryptosporidiose gehört zu den häufigsten und ökonomisch bedeutendsten Krankheiten der modernen Milchviehaufzucht.

Kryptosporidiose bei Kälbern, ausgelöst durch den Erreger Cryptosporidium parvum, ist eine Darmerkrankung, die massiven Durchfall und enormen Flüssigkeitsverlust verursacht. Dies kann für ein junges Kalb eine lebensbedrohliche Situation darstellen – fast die Hälfte der Verluste junger Kälber fällt auf eine Durchfallproblematik zurück.
Kryptosporidien treten gerne in Gemeinsamkeit mit Rotaviren auf; die Wahrscheinlichkeit, dass ein mit dem Rotavirus infiziertes Kalb auch an Kryptosporidiose erkrankt, ist mehr als zweimal so hoch.

Cryptosporidium parvum – wer oder was bist du eigentlich?

Cryptosporidium parvum ist einer der weniger Erreger, der seine gesamte Entwicklung innerhalb eines Wirtes vollzieht. Nachdem sich das Kalb durch Aufnahme einer Oozyste infiziert hat, kommt es durch die Wirkung von Pankreasenenzymen, Gallensalzen und der Körpertemperatur zu einer Abspaltung von Sporozoiten, die sich in der Darmschleimhaut einnisten. Die Sporozoiten durchleben nun mehrere Entwicklungsstadien und vermehren sich explosionsartig. Letztendlich entstehen sowohl männliche Mikrogamonten sowie weibliche Makrogamonten. Es kommt zu einer Verschmelzung der Mikro- und Makrogamonten (Befruchtung) und es entwickeln sich zwei neue Arten von Oozysten. Die dünnwandigen Oozysten verbleiben vorerst im Darm und infizieren dort erneut körpereigene Zellen. Die dickwandigen, infizierten Oozysten gelangen ins Darmlumen und werden letztendlich mit dem Kot ausgeschieden.

Was passiert?

Durch die Infektion kommt es zu einer eingeschränkten Funktion des Darms. Eiweiße und Zucker können nur noch unzureichend aufgespalten werden. Sie binden sich im Darmlumen mit Wasser und verursachen so einen Durchfall. Infizierte Kälber erkranken meist in den ersten 5- 14 Lebenstagen und sind meist zwei bis drei Wochen krank. Sie leiden an Appetitlosigkeit und starken Bauchkrämpfen, wirken depressiv und haben Fieber. Am deutlichsten ist eine Kryptosporidiose aber wohl an dem übermäßig starken, gelb-grünlich wässrigen Durchfall zu erkennen, der eine rasante Gewichtsabnahme zur Folge hat.  Nicht selten ist der Durchfallkot blutig und hat einen beißend-fauligen Geruch.
Infolgedessen haben die Kälber einen enormen Flüssigkeits- und Elektrolytverlust. Nicht selten führen diese zum Tod.

Nicht alle erkrankten Kälber haben Durchfall

Ein erkranktes Tier scheidet täglich bis zu 7 Millionen der dickwandigen Oozysten aus - zur Infektion genügen bereits weniger als hundert. Das Ausscheiden von Oozysten geht nicht zwangsläufig mit starkem Durchfall einher. Bei einer Studie in Gießen litten rund 40% der untersuchten Kälber nicht an Durchfall, wiesen jedoch Oozysten im Kot auf. Das bedeutet folglich, dass ein Wirt zwar Träger und Überträger der Krankheit sein kann, aber nicht zwangsläufig selbst an den Symptomen der Krankheit leiden muss. 

Einer Erkrankung an Kryptosporidiose kann durch Fütterung von Prä- und Probiotika sowie immunstärkenden Vitalstoffen vorgebeugt werden. Um aktiv gegen Kryptosporidiose vorzugehen, ist ein strikt organisiertes Hygienemanagement unerlässlich. 

Quellen: Bartels (2010), Scott et al. (1994), Siebert und Gründer

Tipps aus der Praxis
Dr. Pia Münster über ein lückenloses Hygienemanegement

Kälberdurchfall ist eine sogenannte multifaktorielle Erkrankung und wird durch eine Kombination aus umweltbedingten und infektiösen Ursachen ausgelöst.

Parasiten sind neben Bakterien (z. B. Escherichia coli) und Viren (z. B. Rota-, Coronaviren) eine häufige Ursache für Durchfallerkrankungen bei Kälbern. Kryptosporidien zum Beispiel stellen weltweit den dritthäufigsten Durchfallerreger dar. Da Kryptosporidien nicht wirtsspezifisch sind, können sie auch andere Tiere und den Menschen befallen. Kryptosporidien stellen durchaus eine bedeutende Rolle als humanpathogene Erreger, vor allem bei Menschen mit einem schwachen Immunsystem, dar. Aus veterinärmedizinischer Sicht ist das Rind der wichtigste Wirt.

Generell gibt es in Tiefstreulaufställen ein höheres Infektionsrisiko für Durchfallerreger als in Boxenlaufställen. Dies ist wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass Stroh oder andere organische Einstreuprodukte ein optimales Milieu für die Erreger darstellen.
Damit keine wirtschaftlichen Schäden durch Leistungseinbußen entstehen, sollte der Infektionsdruck durch geeignete Hygienemaßnahmen effektiv reduziert werden. Eine regelmäßige Reinigung und Desinfektion der Kälberunterbringung ist dabei eine effektive Maßnahme bzw. Grundvoraussetzung. Eine ordnungsgemäße Reinigung und Desinfektion besteht grundsätzlich aus sechs Schritten (1. Grobreinigung, 2. Einweichen, 3. Reinigung, 4. Spülen, 5. Trocknung, 6. Desinfektion). Bei der Reinigung der Fläche sollte standardmäßig ein Schaumreiniger verwendet werden, so dass auch alle Schmutzpartikel (z.B. Proteine und Fette) ordnungsgemäß entfernt werden. Sinnvoll ist es nach der Reinigung eine optische Kontrolle durchzuführen. Dies erfolgt am besten im abgetrockneten Zustand, da ansonsten Dreckspritzer leicht übersehen werden. Parasiten inklusive Kryptosporidien und Kokzidien sind sehr widerstandsfähig gegenüber Desinfektionsmittel und werden durch ein Standard-Breitbanddesinfektionsmittel, z. B. auf Basis von Glutaraldeyde oder Peressigsäure, nicht abgetötet. Für eine effektive Bekämpfung der Kryptosporidien sollte neben der Behandlung von erkrankten Kälbern der Keimdruck in der Umwelt mittels einer speziellen Desinfektion auf Basis von Chlor-Kresolen deutlich reduziert werden. Um eine Gewährleistung zu haben, dass auch Parasiten zuverlässig abgetötet werden, sollten nur DVG-gelistete Desinfektionsmittel Verwendung finden. Hier sollte zudem auf die richtige Anwendungskonzentration geachtet werden.

Gerade in den feuchten Wintermonaten haben Durchfallerreger wie Viren, Bakterien und Parasiten optimale Entwicklungsbedingungen und treten gehäuft in Rinderbetrieben auf. Damit keine wirtschaftlichen Schäden durch Leistungseinbußen entstehen, sollte der Infektionsdruck durch geeignete Hygienemaßnahmen regelmäßig effektiv reduziert werden. Die beste Vorbeugung erfolgt vor den feuchten Monaten mittels einer speziellen Desinfektion gegen alle Durchfallerreger inklusive Parasiten.