Die Wirkung von ß-Carotin auf die Qualität des Kolostrums und die Durchfallhäufigkeit bei Kälbern

Ein Forschungsbericht von M.Sc. Esther Eisen

Beta-Carotin werden positive Effekte auf die Fruchtbarkeit der Kuh sowie auf die Verbesserung des Immunsystems nachgesagt. Leider sind nur frische Futterpflanzen reich an beta-Carotin. Während der Konservierung und Lagerung der Futtermittel sinken die Carotingehalte rasch ab. Nun werden Kühe, vor allem während der Trockensteherperiode, größtenteils mit solchen Grundfuttermitteln versorgt, wodurch es zu erheblichen Mangelversorgungen kommen kann. Aufgrund der Annahme, dass eine fütterungsbedingte beta-Carotinergänzung den Versorgungsstatus der Kühe verbessert, wurde ein Fütterungsversuch an hochtragenden Milchkühen durchgeführt. Im Mittelpunkt der Untersuchung standen die Qualität des Kolostrums sowie das Auftreten von Durchfallerkrankungen bei den Kälbern.

Methodik

Insgesamt wurden 102 Milchkühe getestet, die entweder ohne oder mit einer täglichen Zulage an beta-Carotin in Höhe von 1000 mg versorgt wurden. Der Fütterungsversuch startete jeweils 3- 4 Wochen vor dem Geburtstermin und dauerte bis zum Tag der Abkalbung. Während dieses Zeitraumes wurde allen Kühen eine TMR, basierend auf Maissilage, Biertreber und Weizenstroh gefüttert. Die Versuchsgruppe hatte demnach eine tägliche beta-Carotin Aufnahme von 1300 mg. Die Vergleichsgruppe eine Aufnahme von 280 mg. Der Gehalt an Vitamin A, ebenso wie die Gehalte an Energie und allen anderen Nähr- und Wirkstoffen lag in beiden Futtermischungen gleichermaßen über den aktuellen Empfehlungen und gewährleistete eine bedarfsgerechte Versorgung der trockenstehenden Kühe.

In wöchentlichen Intervallen wurden den Kühen Blutproben entnommen. Außerdem wurde nach der Kalbung von je 14 Tieren aus den Versuchsgruppen das Kolostrum untersucht. Die beta-Carotin Konzentration im Blutserum und in der Biestmilch der Kühe war deutlich angestiegen. Auch den neugeborenen Kälbern wurden direkt nach der Geburt sowie nach der Kolostrumgabe Blutproben entnommen. Die beta-Carotingehalte im Blut der Kälber, unabhängig der Behandlungsgruppe, war zum Geburtszeitpunkt gleichmäßig niedrig. Erst nach der Versorgung mit dem Kolostrum hatten die Kälber der Carotingruppe einen fast doppelt so hohen beta-Carotin Wert und höhere Gehalte an Gesamteiweiß und Immun-aktiven gamma-Globulinen im Blut als die Kälber der Vergleichsgruppe. Dieses Ergebnis lässt erkennen, dass sich die zusätzliche Versorgung der Kühe mit beta-Carotin erst nach der Geburt, über das hochwertigere Kolostrum auf die Kälber auswirkt.

Ergebnis

Die Kälber beider Gruppen wurden nach der Biestmilchversorgung mit dem gleichen Milchaustauscher versorgt und auch sonst gleich behandelt. Dennoch war bei den Kälbern der Carotingruppe ein deutlich besserer Gesundheitsstatus erkennbar. Aus der Carotingruppe wiesen in den folgenden 4 Wochen weniger als die Hälfte der Kälber Durchfallerscheinungen auf, während aus der Kontrollgruppe drei von vier Tieren an Durchfall erkrankten.

Fazit der Untersuchung

Auf Grund der Ergebnisse empfiehlt es sich, Kühe in der Trockenstehperiode optimal mit beta-Carotin zu versorgen. Eine beta-Carotin Zulage erhöht die Qualität des Kolostrums merklich und hat zudem offenbar eine langanhaltende, vor Durchfall schützende Wirkung. Nichtsdestotrotz dürfen die allgemeinen Hygienemaßnahmen rund um die Geburt natürlich nicht außer Acht gelassen werden, denn auch bei einer optimalen beta-Carotinversorgung kann bei zu hohem Infektionsdruck eine Erkrankung nicht vermieden werden.